...auch wenn der Therapeut gar nicht selbst seine Hände einsetzt. Manches Mal kann eine gut
angeleitete konsequente Eigenbehandlung helfen - besser jedenfalls als Medikamente, und auch die
Fertigkeiten eines chiropraktisch geschulten Arztes sind nicht wirkungsvoller. Wissenschaftler der
Northwestern Health Sciences University in Minneapolis haben die Auswirkungen verschiedener Vorgehensweisen
bei unspezifischen Nackenschmerzen untersucht. Die Studie wurde jetzt in den Annals of Internal Medicine
veröffentlicht.
Die untersuchten Patienten litten alle zwischen zwei bis zwölf Wochen an Nackenschmerzen bevor sie in
den Kreis der Studienteilnehmer aufgenommen wurden. Einer von drei Gruppen wurden die Schmerzpatienten zugeteilt.
Die medikamentöse Therapie mit nicht-stereroidalen Antirheumatika, Opioiden und Muskelrelaxantien sollte
der einen Probandengruppe Linderung verschaffen. Eine weitere Gruppe erhielt über zwei Stunden lang eine
Anleitung zu einem Übungsprogramm. Die übrigen Teilnehmer gaben sich den Künsten eines Chiropraktikers
hin.
Zwölf Wochen dauerten die Versuche, die regelmäßig dokumentiert wurden. Die letzte Testreihe fand
nach einem Jahr statt. Am schlechtesten schnitten die vermeintlich analgetisch wirkenden Pillen ab. Lediglich jeder
dritte Versuchspatient berichtete von einer Abnahme der Beschwerden um mehr als 75 Prozent. Knapp die Hälfte
der physiotherapeutisch versorgten Probanden konnte sich über eine massive Schmerzlinderung freuen. Bei den
Chirotherapieteilnehmern stellten die Wissenschaftler ein etwa gleich lautendes Ergebnis fest. Auch nach einem Jahr
zeigten sich keine signifikanten Unterschiede bei den Therapieverfahren. Weit abgeschlagen blieben über diesen
langen Zeitraum die pharmazeutischen Schmerzmittel.
Nicht unerwähnt ließen die Studienautoren die Risiken chirotherapeutischer Interventionen. Zervikale
Manipulationen können zu Verletzungen der Arteria vertebralis führen und im schlimmsten Fall einen
Schlaganfall produzieren. Diese, wenn auch selten auftretende Wirkung, spricht zusätzlich für die
weitgehend risikofreie Physiotherapie.
Mit freundlicher Genehmigung von Peter Appuhn physio.de